Der Anfang erscheint oft schwer

von | Mai 30, 2018 | 0 Kommentare

“Aller Anfang ist schwer!”

Ein Spruch, auf den ich im Alltag immer wieder stoße. Er suggeriert, dass es keine leichten Anfänge geben kann und man erst schwitzen muss, bevor man die Ernte einholen kann:
Inbesondere im Tanzen bemerke ich bei vielen Menschen immer wieder Frustation, inneren Druck und Resignation. Tanzen wird dann zu einer “stressigen Sache” anstatt zur eigenen Freude, Leichtigkeit und Entspannung beizutragen. Das kann dazu führen, dass tief im Inneren die eigene Überzeugung heranwächst, gar nicht für das Tanzen geboren zu sein und es niemals wirklich umsetzen zu können. Der Anfang ist dann nicht nur schwer, sondern fast nicht zu bewältigen.

Ich persönlich glaube nicht, dass sich das Leben wie dieser Spruch verhält.
Denn ich stelle mir dann die Frage: Was bedeutet es genau, wenn etwas schwer ist?

Nehmen wir als Beispiel meine aktuelle Situation: Ich höre im Sommer auf als Gymanisallehrer zu arbeiten und möchte dann die gewonnene Zeit nutzen, neue Projekte anzufangen. Dies umfasst:

– den Aufbau meiner eigenen Tanzschule Mambo Pal Monte
– das Schreiben eines regelmäßigen Blogs
– die Weiterbildung als Trainer für Gewaltfreie Kommunikation
– die Weiterbildung als Coach

Bedeutet ein schwerer Anfang nun, dass es sehr viele tatsächliche Barrieren in der Welt um uns herum gibt, die im Weg stehen werden? Dass es ein Kampf sein wird und wir uns irgendwie durchsetzen müssen?

Wenn wir es auf diese Weise betrachten würden, verginge uns wahrscheinlich schnell die Lust und die Motivation für den geplanten Weg.

Lasst uns ein mal die Perspektive wechseln: Vom Sein zum Schein

Wenn uns der Anfang schwer erscheint anstatt dass er schwer ist, dann bedeutet dies, dass wir z.B. viele Fragen und gleichzeitig keine Klarheit haben, wie wir unsere Ziele erreichen können. Ob es tatsächliche Barrieren auf dem Weg geben wird oder nicht, spielt dann zunächst keine große Rolle für unsere eigene Wahrnehmung.
Die fehlende Klarheit und die vielen Fragen sowie erste Rückschläge auf dem Weg können dann dazu führen, dass wir selbst den Prozess als schwer empfinden und vielleicht frühzeitig aufgeben möchten.

Der Weg ist das Ziel

Noch ein weitbekannter Spruch, den ich im Gegensatz zum ersten tatsächlich für sehr weise halte. Anstatt sich auf die Erreichung seiner Ziele zu fokussieren (die vielleicht nie erreicht werden), kann es für uns sehr sinnvoll sein, mehr auf den Weg selbst zu achten und dadurch offen zu sein für Veränderungen. Denn wir können ja im Vorhinein nie wissen, ob wir mit der Aktion A zum Ziel B gelangen werden.

Dazu fällt mir Marshall Rosenberg zur Wichtigkeit des Fehler-Machens ein:

Nur wenn du heute bereits das wüsstest, was du lernen wirst, indem du jetzt einen Fehler begehst, würdest du ihn nicht mehr begehen. (frei nach Marshall B. Rosenberg)

Welche tiefe Wahrheit steckt für mich darin?

Im Hier und Jetzt können wir nie wissen, was durch unsere Aktionen passieren wird. Dies bedeutet nicht, blind loszulaufen, sondern sich an Dinge zu heranwagen, ohne zu wissen, wohin sie genau führen. Und erst dadurch, dass wir ins Handeln kommen und feststellen, was funktioniert und was nicht, sind wir in der Lage, langfristig zu lernen.

Daraus resultieren für mich mehrere Schritte, die uns auf jedem Weg begleiten:

1. Schritt: Sich klar machen, wohin der Weg gehen soll (Visualisierung der eigenen Ziele)
2. Schritt: Sich wagen, loszugehen, ohne exakt zu wissen, was passieren wird.
3. Schritt: Sich die Zwischenergebnisse anschauen und von da aus überlegen, wie der Weg weitergehen kann.

Und was hat das nun mit dem Tanzen zu tun?

Viele von uns kennen diese innere Stimme (= den inneren Kritiker), die uns davor schützen möchte, Enttäuschungen und Fehlschläge zu erfahren.
Wenn wir gerade mit dem Tanzen beginnen oder uns im Tanzen weiter entwickeln möchtem, dann kann sich diese Stimme in verschiedenen Situationen manifestieren:

Ich konnte noch nie tanzen und bin dafür ganz sicher nicht geboren. Da mache ich mich nur lächerlich!

Hier wird unser innerer Kritiker aktiv, der die erste Hürde so hoch erscheinen lässt, dass wir spätestens nach der ersten durchlaufenen Tanzstunde das Handtuch werfen. Ob unser inneres Urteil überhaupt mit der Wirklichkeit übereinstimmt, können wir dann nicht weiter überprüfen.

Guck Dir doch nur mal an, wie toll sich alle anderen bewegen können? Sowas werde ich nie können.

Hier sehen wir ein mögliches Ziel vor Augen und glauben, es nie erreichen zu können. Druck und Unzufriedenheit, aber vor allem auch die Angst, trotz vieler Versuche zu scheitern, begleiten dann unseren weiteren Lernprozess.

Wagt den ersten Schritt, und den danach, und den danach….

Traut euch daher auf unbekanntes Terrain, sammelt erste Erfahrungen und schaut, was für Euch Selbst gut klappt und was nicht. Und dann geht weiter! So seid ihr in der Lage, langfristig zu lernen und euch zu entwickeln.

Fragen über Fragen?

Und wenn der Lernprozess anstrengend ist? Oder ihr viele Rückschläge erleidet?
Es nicht so klappt, wie ihr es euch wünscht?

Dann schaut bei meinem nächsten Blog vorbei, der sich dem Thema Selbstakzeptanz statt Perfektionismus beschäftigen wird.

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